Leberblog

In unserem Leberblog finden Sie interessante Neuigkeiten zum Thema Lebergesundheit.

Motivationsschub zum Abnehmen durch Training im Fußballstadion

Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge, lassen sich fußballbegeisterte adipöse Männer für eine erfolgreiche Teilnahme an Programmen zur Gewichtsreduktion motivieren, wenn diese im Stadion ihres favorisierten Fußballclubs durchgeführt werden.

Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) als Folge eines ungesunden Lebensstils kann eine Vielzahl von Erkrankungen begünstigen, beispielsweise die Entwicklung einer Fettleber, deren chronisch progrediente Form, die Fettleberentzündung, einen Risikofaktor für Leberzirrhose und Leberzellkarzinom darstellt.
Bereits eine Gewichtsreduktion von 5 bis 10% kann bei Adipositas von erheblichem gesundheitlichem Nutzen sein. Allerdings fehlt den Betroffenen vielfach die Motivation zum Abnehmen. Vor allem übergewichtige Männer finden nur schwer Zugang zu Gewichtsreduktionsprogrammen.
Auf der Suche nach neuen Wegen hatten schottische Wissenschaftler daher den Einfall, die vielfache Begeisterung von Männern für den Fußball-Sport auszunutzen und untersuchten dies im Rahmen einer randomisierten kontrollierten Studie.
747 übergewichtige bzw. adipöse männliche Fußballfans mit einem Body Mass Index (BMI) von 28 kg/m² und höher nahmen an der Studie teil. Die eine Untersuchungsgruppe absolvierte ein spezifisch auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenes Programm zur Gewichtsreduktion und trainierte dabei regelmäßig im Stadion des Fußballclubs, dessen Anhänger sie waren. Die andere Gruppe war für 12 Monate auf einer Warteliste und erhielt kein spezielles Programm. Alle Teilnehmer bekamen zudem ein Selbsthilfebuch mit allgemeinen Informationen zum Gewichtsmanagement.
Das Ergebnis: nach 12 Monaten hatte die Gruppe, die das Programm durchgeführt hatte, signifikant mehr Gewicht verloren als die Wartegruppe. Die durchschnittliche Gewichtsreduktion lag bei 4,4%. Dies spiegelte sich auch in einem signifikant geringeren Hüftumfang und einer signifikant größeren Abnahme des BMI wieder. Die Fußballfans, die am Gewichtsreduktionsprogramm teilnahmen, verloren mehr Körperfett, ernährten sich gesünder und waren in einer besseren psychischen Verfassung. Die subjektive Lebensqualität nahm zu.

Quelle:
Hunt et al. Lancet 2014; 383(9924):1211-21
Weiß et al. Dtsch Ärztebl Int 2014; 111:447-452


Kinder: Niedrige Vitamin-D-Spiegel begünstigen die Entwicklung einer NAFL

In den Industriestaaten erkranken immer mehr Kinder und Jugendliche an einer nicht alkoholischen Fettleber (NAFL). Experten schätzen den Anteil der Betroffenen auf bis zu zehn Prozent. Nun haben britische Wissenschaftler herausgefunden, dass niedrige Vitamin-D-Spiegel zu dieser Entwicklung beitragen könnten. Außerdem konnten die Forscher ein Gen identifizieren, das darüber entscheidet, wie schwer die Erkrankung im Einzelfall verläuft.

Für die Studie hatten die Wissenschaftler vom King’s College in London 120 Kinder untersucht, die an einer NAFL erkrankt waren. Dabei entdeckten sie den Zusammenhang zwischen den niedrigen Vitamin-D-Spiegeln der betroffenen Kinder und ihrer Lebererkrankung. So zeigten die Studienteilnehmer nicht nur während der Wintermonate, sondern über das gesamte Jahr hinweg niedrige Vitamin-D-Spiegel. Beim Großteil der Kinder waren die Spiegel des Vitamins sogar deutlich zu niedrig. Bei einer genetischen Analyse fanden die Wissenschaftler außerdem eine Variante der Gens NADSYN1, die mit der Schwere der Lebererkrankung bei den Kindern in Zusammenhang stand.

Bereits in früheren Studien hatten Wissenschaftler bei Kindern einen Vitamin-D-Mangel und eine steigende Zahl von Rachitis-Erkrankungen ausgemacht und dies mit der zunehmenden Fettleibigkeit bei Kindern und Jugendlichen in Zusammenhang gebracht. Gründe dafür seien unter anderem, dass Kinder immer seltener im Freien spielten und Eltern dabei auf einen guten Sonnenschutz achteten, erklärten die Forscher.

„Dass es gelungen ist, ein Gen zu identifizieren, das den Verlauf der Erkrankung beeinflusst, könnte möglicherweise dabei helfen, neue Therapien oder Diagnosemöglichkeiten für diese zunehmend an Bedeutung gewinnende Krankheit zu entwickeln“, sagte Prof. Jean-Francois Dufour von der Universität Bern, der Vorsitzende der Europäischen Gesellschaft für Leberforschung.

Quelle: European Association for the Study of the Liver, April 2014


Virtueller Blutfluss durch die Leber

Was passiert, wenn der Wirkstoff eines Medikaments mit dem Blutstrom in die Leber kommt? Wie reagiert das Organ, wenn Teile geschädigt sind und das Medikament nicht richtig verstoffwechselt werden kann? Fragen wie diese lassen sich mit einer neuen Computersimulation künftig detaillierter als zuvor beantworten.

50.000 Würfelchen statt Blackbox

Im Körper erfüllt die Leber mehrere Aufgaben: Sie reinigt das Blut von Schadstoffen, produziert lebenswichtige Eiweiße,speichert lebenswichtige Vitamine und spielt u.a. beim Stoffwechsel zahlreicher Medikamente eine zentrale Rolle. Beim Menschen fließen pro Stunde rund 90 Liter Blut durch das Organ. Um möglichst genau simulieren zu können, wie dieses Blut durch die Leber strömt und wie sich die in ihm enthaltenen Wirkstoffe verhalten, hatten die Forscher des Fraunhofer-Instituts für Bildgestützte Medizin MEVIS in Bremen im Computertomographen ein hochaufgelöstes 3D-Bild einer Mäuseleber aufgenommen.

Auf der Basis der Bilddaten rekonstruierten sie zunächst die präzise Struktur des fein verästelten Gefäßsystems in der Leber. Dann unterteilten sie die Leber erstmalig virtuell in rund 50.000 Würfelchen.. Bislang wurde das Organ bei derartigen Simulationen zu seiner Arbeitsweise wie eine einzige Einheit eine sogenannte „Blackbox“ behandelt.

„Zwar besteht eine Mäuseleber aus vielen Millionen Zellen“, erläutert MEVIS-Forscher Ole Schwen. „Doch um die Rechenzeit in einem vertretbaren Rahmen zu halten, fassen wir in jedem der Würfelchen das Verhalten von mehreren tausend Zellen zusammen.“ Um das Resultat dennoch so realistisch wie möglich zu machen, greifen die Experten außerdem auf Daten aus der biomedizinischen Forschung zurück, die das Stoffwechselverhalten von Leberzellen beschreiben.

Auch eine Fettleber lässt sich simulieren

Das Ergebnis der Simulation: Blutströme und Stoffwechselreaktionen lassen sich detailliert am Bildschirm verfolgen. So lässt sich am Monitor beispielsweise beobachten, wie schnell sich ein Kontrastmittel in den verschiedenen Bereichen der Leber anreichert und wie seine Konzentration allmählich wieder abklingt. Auch die Stoffwechselreaktionen von Medikamenten lassen sich simulieren – sowohl für gesunde Lebern als auch für Organe, die verfettet sind oder anderweitig z.B. durch Vergiftung geschädigt wurden.

„Die bislang verwendeten Computermodelle betrachten die Leber nur als Ganzes“, sagt Projektleiter Tobias Preusser. „Unser Verfahren kann erstmals simulieren, was im Inneren des Organs tatsächlich passiert.“

Da die Forscher überzeugt sind, die Simulation auch für eine menschliche Leber durchführen zu können, könnte das Modell künftig möglicherweise auch helfen, für jeden Patienten individuell abschätzen, ob ein bestimmtes Lebermedikament bei ihm anschlagen dürfte oder nicht.

Quelle: Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS, März 2014; PLoS Comput Biol 10(3): e1003499.


Nicht alkoholische Fettleber erhöht das Diabetesrisiko deutlich

Die nicht alkoholbedingte Fettlebererkrankung ist mit einem deutlich höheren Risiko für eine Diabeteserkrankung verbunden als das metabolische Syndrom, das mit Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Insulinresistenz und veränderten Blutfettwerten einhergeht. Das haben israelische Wissenschaftler herausgefunden.

Danach hatten von rund 140 Studienteilnehmern diejenigen, die bereits zu Studienbeginn eine Fettlebererkrankung aufwiesen, ein bis zu achtfach erhöhtes Risiko, im Lauf der folgenden sieben Studienjahre einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, als Teilnehmer mit normalen Leberwerten. Von den Studienteilnehmern, die bei Studienbeginn neben einer Fettlebererkrankung auch erhöhte Zuckerwerte im nüchternen Zustand aufwiesen, erkrankten im Beobachtungszeitraum mehr als 90 Prozent an Diabetes.

Das Fatale daran: Die nicht alkoholische Fettlebererkrankung muss nicht mit Übergewicht einhergehen, auch schlanke und sportliche Menschen, die sich jedoch kohlenhydratreich ernähren, können eine Fettlebererkrankung entwickeln.

Studien koreanischer und britischer Wissenschaftler zeigen aber auch, dass das erhöhte Diabetesrisiko vollständig zurückgeht, wenn bei bestehender Fettleber das Leberfett abgebaut wird.

Die zurzeit einzige wirksame Therapie ist eine Änderung des Lebensstils und eine kalorienreduzierte, kohlenhydratarme, eiweißbetonte und fettmodifizierte Ernährung mit stärkearmen Gemüsen in Kombination mit eiweißhaltigen Nahrungsmitteln. Bereits nach einer Woche kalorien- und kohlenhydratreduzierter Ernährung erholen sich die Leberwerte messbar.

Quellen: Liver Int., 19. April 2013. doi: 10.1111/liv.12200; The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 19. Juli 2013. doi: 10.1210/jc.2013-1519; das freelance team, 30. Juli 2013


 Sport – besser kurz als gar nicht

Übergewichtige profitieren schon von dreimal wöchentlich vier Minuten
Bereits kurze intensive Trainingseinheiten von dreimal wöchentlich vier Minuten können die Ausdauerleistung übergewichtiger, bisher sportlich inaktiver Personen deutlich verbessern, so die Ergebnisse einer aktuellen norwegischen Untersuchung.

26 übergewichtige (BMI 25-30), ansonsten gesunde Männer im Alter von 35-40 Jahren, die zwei Jahre lang keinen regelmäßigen Sport betrieben haben, nahmen an der zehnwöchigen Studie teil. Alle trainierten dreimal wöchentlich auf einem geneigten Laufband. Bei der einen Hälfte bestanden die Phasen intensiver Belastung aus vier mal vier Minuten, die durch Erholungspausen von jeweils drei Minuten unterbrochen wurden. Die andere Hälfte absolvierte nur eine einmalige intensive Belastungsphase von vier Minuten. Jeder Trainingseinheit ging ein zehnminütiges Aufwärmen voraus.

In beiden Gruppen kam es zu einer vergleichbaren Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme, die um 13% bzw. 10% zunahm und ein Maß für die Ausdauerleistung darstellt. Auch bei den Parametern Blutdrucksenkung und Rückgang des Nüchtern-Blutzuckers ergaben sich keine signifikanten Unterschiede. Allerdings zeigte nur das vier mal vier Minuten Trainingsprogramm günstige Auswirkungen auf die Blutfettwerte.

Der gesundheitliche Nutzen von Sport bei Übergewicht, ergänzend zu einer Ernährungsumstellung, ist hinlänglich bekannt. Viele scheuen aber aus Zeitmangel davor zurück, sich regelmäßig körperlich zu betätigen. Ein Trainingskonzept mit dreimal wöchentlich vier Minuten ließe sich leichter in den Alltag integrieren und könnte möglicherweise auch in öffentliche Gesundheitsprogramme implementiert werden, so die Schlussfolgerung der Autoren.

Quellen: TjØnna et al., PLoS ONE 2013; 8(5):e65382, Ärzte Zeitung vom 20.06.2013


Leberwerte sollten im Check-up 35 plus untersucht werden

Um der Entstehung von chronischen Lebererkrankungen wie der Leberzirrhose oder dem Leberzellkrebs vorzubeugen zu können, sollte die Bestimmung des Leberwerts Alanin-Aminotransferase (ALT, früher auch Glutamat-Pyruvat-Transaminase, GPT genannt) in den „Check-up 35 plus“ aufgenommen werden, den die gesetzlichen Krankenversicherungen allen Mitgliedern ab einem Alter von 35 Jahren anbieten. Dies forderte jüngst die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

„Viele Menschen in Deutschland haben erhöhte Leberwerte und tragen somit das Risiko, eine schwere Lebererkrankung zu entwickeln“, erklärte Prof. Stefan Zeuzem, Vorstandsmitglied der DGVS aus Frankfurt. Oft würde dieses Problem aber zu spät erkannt. „Eine einfache Präventionsmaßnahme wie die Kontrolle des Leberwertes ALT könnte vielen Menschen das Schicksal ersparen, an unheilbaren Spätfolgen zu erkranken“, ist Zeuzem überzeugt. Denn oftmals sind Lebererkrankungen im Frühstadium gut behandelbar.

Einfache und kostengünstige Vorsorge
Die Alanin-Aminotransferase, ALT, gehört zu den Enzymen, die in den Leberzellen Stoffwechselaufgaben erledigen. Bei einer Schädigung gelangen sie ins Blut. Sie sind dann in einer Blutprobe nachweisbar. „Unter den verschiedenen Leberwerten ist die ALT zur Früherkennung besonders gut geeignet, da sie frühzeitig im Blut nachweisbar ist“, erklärte der Experte. Die ALT-Testung sei zudem einfach, in jedem Diagnostiklabor als Standard etabliert und extrem kostengünstig.

Nach Überzeugung der DGVS, der Deutschen Leberhilfe sowie der Deutschen Leberstiftung könne die Aufnahme des Wertes in die Vorsorgeuntersuchung hohe Folgekosten vermeiden, die mit der Behandlung fortgeschrittener Lebererkrankungen einhergehen. „Außerdem würde verhindert, dass Patienten mit unerkannter Virushepatitis unwissentlich andere Menschen anstecken“, sagte Zeuzem.

Neben der Fettleber in Folge von Übergewicht oder Alkoholkonsum ist eine unerkannte Viruserkrankung wie eine Hepatitis B oder C auch in Deutschland immer noch einer der wichtigsten Auslöser von chronischen Lebererkrankungen wie der Leberzirrhose.

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, 2. Mai 2013


Wie hängen Fettleber, Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen zusammen?

Tübinger Wissenschaftler propagieren Rolle von Leberhormonen
Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen sind weltweit auf dem Vormarsch. Bislang ging man davon aus, dass zunehmendes Übergewicht und die Fettmasse der Bevölkerung hauptsächlich für diese Epidemien verantwortlich sind. Neueren Erkenntnissen zufolge kann aber auch eine Fettleber die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 und kardiovaskulären Erkrankungen begünstigen. Bislang war allerdings weitestgehend unklar auf welche Art und Weise dies geschieht.

Das Wissenschaftlerteam um Professor Stefan am Universitätsklinikum Tübingen fand nun heraus, dass hierbei bestimmte von der Leber gebildete Hormone eine Rolle spielen. Diese werden als Hepatokine bezeichnet und von einer verfetteten bzw. entzündeten Leber in verstärktem Maße gebildet. Einer der wichtigsten Vertreter dieser Klasse ist das Eiweiß Fetuin-A, das u. a. die Wirkung von Insulin verschlechtert. Weitere wichtige Hepatokine sind z. B. das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) und FGF-21.

Da Fettmasse und Fettgewebs-Hormonkonzentration im Blut nur bedingt das Risiko für Typ 2 Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen vorhersagen, kommt dem Ergebnis womöglich eine besondere Bedeutung in der Diagnostik zu. „Die Bestimmung von Hepatokinen im Blut kann in Zukunft nicht nur dazu dienen, eine Fettleber früher zu diagnostizieren, sondern auch das Risiko für Stoffwechselerkrankungen, vor allem bei normal- bis leicht übergewichtigen Menschen besser vorherzusagen“, so Professor Stefan.

Quellen:
Stefan N, Häring HU. Nat Rev Endocrinol. 2013 Mar;9(3):144-52. doi: 10.1038/nrendo.2012.258. Epub 2013 Jan 22.
Pressemitteilung des Universitätsklinikum Tübingen vom 26.02.2013


Alkoholabhängigkeit verkürzt Lebenszeit um 20 Jahre

Die Lebenserwartung von Alkoholabhängigen ist gegenüber Menschen, die nie alkoholabhängig waren, um 20 Jahre verkürzt. So lautet die traurige Bilanz einer epidemiologischen Langzeitstudie, die Wissenschaftler der Universität Greifswald und Lübeck gemeinsam durchgeführt haben.

Die Ergebnisse sollen demnächst in der US-Fachzeitschrift Alcoholism: Clinical & Experimental Research (ACER) veröffentlicht werden. Sie basieren auf den Gesundheitsdaten von 4070 Teilnehmern der Region Lübeck, die über einen Zeitraum von 14 Jahren erhoben worden waren. 149 der Teilnehmer waren alkoholabhängig, davon 30 Frauen und 119 Männer.

Die alkoholabhängigen Frauen starben im Mittel mit 60 Jahren, Männer mit 58 Jahren. Keiner der gestorbenen Alkoholabhängigen erreichte das durchschnittliche Lebensalter von 82 Jahren für Frauen und 77 Jahren für Männer.

Geschlechtsspezifische Unterschiede

Verglichen mit der jeweils gleichaltrigen Normalbevölkerung war die Sterberate von Alkoholikerinnen um das 4,6-fache erhöht, von männlichen Alkoholikern um das 1,9-fache. Warum die Unterschiede in der Sterberate so groß sind, konnten die Wissenschaftler bislang nicht erklären.

„Frauen scheinen schneller und stärker als Männer mit Erkrankungen auf Alkoholkonsum zu reagieren“, so der Leiter der Studie, der Greifswalder Epidemiologe Ulrich John. „Sie müssen beherzigen, dass sie deutlich weniger Alkohol konsumieren dürfen als Männer.“ Der international anerkannte Richtwert liegt bei einer maximalen Tagesmenge von 12 Gramm für Frauen (ein Achtelliter Wein oder ein Viertelliter Bier) und 24 Gramm (ein Viertelliter Wein oder ein halber Liter Bier) für Männer.

Alkoholprävention noch nicht ausreichend

Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse fordern die Wissenschaftler eine erneute Debatte über Möglichkeiten der Alkoholprävention in Deutschland, wie z. B. Preiserhöhungen, Verkaufsverbote an Tankstellen oder ein striktes Alkoholverbot am Steuer.

Wann spricht man von Alkoholabhängigkeit?

Nach internationalen Standards gilt als alkoholabhängig, wer drei der folgenden Kriterien mindestens einen Monat lang erfüllt:

  • starkes, unwiderstehliches Verlangen nach Alkohol,
  • verminderte Kontrollfähigkeit auf Menge und Dauer des Alkoholkonsums,
  • körperliche Entzugserscheinungen wie Zittern,
  • Gewohnheitseffekt (um die gewünschte Wirkung zu erreichen, sind zunehmend größere Mengen notwendig),
  • zunehmende Einengung der Interessen auf den Alkoholkonsum und
    anhaltender Alkoholkonsum trotz Erkrankungen.

Quelle: Ärzte Zeitung, 17.10.2012


Was schadet der Leber wirklich?

Die Leber kann durch Nahrungsbestandteile, Arzneimittel, Gifte oder Infektionen beschädigt werden. Deshalb ist es wichtig, lebertoxische Substanzen sicher zu identifizieren. Umweltmediziner des Universitätsklinikums Frankfurt haben nun allerdings gezeigt, dass die gängigen Vorgehensweisen, mit denen Leber schädigende Substanzen aus Pflanzen identifiziert werden, nicht zuverlässig sind.

Zeitlicher Zusammenhang kein Hinweis auf Ursache

Die ersten typischen Anzeichen einer Leberschädigung – Anstieg der Serumkonzentrationen von Leberenzymen – sind sehr unspezifisch. Sie treten so häufig auf, dass sie nur als Indikatoren nützlich sind. Die Bandbreite der Ursachen für einen solchen Anstieg reicht von Infektionen über Entzündungen, Stoffwechselstörungen, Ernährungsbesonderheiten, Gallensteinen und Giften bis zur Medikamenteneinnahme. Um zu belegen, dass ein Medikament oder einen Pflanzeninhaltsstoff für einen Leberschaden verantwortlich ist, reicht ein einfacher zeitlicher Zusammenhang nicht aus. Eine gute Bewertung erfordert zusätzlich den Ausschluss von anderen Ursachen.

„Eine gute Basis für ergänzende Gebrauchseinschränkungen oder gar eine Marktrücknahme besteht dann, wenn gut belegte Fälle eines gesicherten oder sehr wahrscheinlichen Zusammenhangs zwischen einem spezifischen Produkt und einer Leberschädigung bekannt sind. Wenige, aber gut belegte Fälle sind aussagekräftiger als eine große Anzahl von unzuverlässig bewerteten Fällen“, erläutert Prof. Johannes Schulze vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt und einer der Autoren der Studie.

Fehleinschätzungen wiederum können gravierende Folgen haben. „Im schlimmsten Fall wird dabei eine lebertoxische Substanz übersehen, in der falschen Annahme, die ursächliche Substanz gefunden zu haben. Die nicht erkannte Gefährdung besteht dann weiter“, warnt Schulze.

Studie stellt Prüfverfahren schlechtes Zeugnis aus

Die jetzt veröffentlichte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass bei den untersuchten Fällen viele Fehleinstufungen vorlagen, oft aufgrund ungenauer Beschreibungen oder einer unvollständigen Präsentation der Datenlage. Alternative Ursachen wie Hepatitis oder Alkoholmissbrauch wurden lediglich unvollständig oder gar nicht ausgeschlossen. Die veröffentlichten Schlussfolgerungen zum ursächlichen Zusammenhang waren in vielen Fällen nicht nachvollziehbar. In Einzelfällen konnte der angeblich erkannte Zusammenhang sogar ganz ausgeschlossen werden.

Quelle: Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M., 21. März 2013


Omega-3-Fettsäure schützt vor Leberschäden

Omega-3-Fettsäuren aus Fettfischen können vor koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen und Demenzerkrankungen schützen. Nun haben US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, dass eine bestimmte Fettsäure aus dieser Gruppe der mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die Docosahexaensäure (DHA), auch der nichtalkoholischen Fettleber und Leberfibrose vorbeugen kann.

Wie die Autoren um C.M. Depner vom College of Public Health and Human Sciences an der Oregon State University im „Journal of Nutrition“ berichten, hatten sie an Mäusen die Wirkung von zwei Omega-3-Fettsäuren auf die Lebergesundheit untersucht. Dabei verglichen sie die Wirkung der Docosahexaensäure und Eicosapentaensäure (EPA), die beide in fettem Fisch wie Lachs, Sardellen und Sardinen enthalten sind und als besonders herzgesund gelten. Beide Fettsäuren können nicht vom Körper selbst hergestellt werden und müssen deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden.

In ihrem Versuch reduzierten sowohl EPA ,DHA als auch deren Kombination die Eiweißstoffe im Körper der Tiere, die an der Entstehung von Leberschäden und Leberfibrose beteiligt sind. DHA reduzierte diese Stoffe jedoch um 65% und zeigte damit ein stärkere Wirkung als EPA, welches nur einen geringen vorbeugenden Effekt hatte.

„DHA reduzierte Entzündungsprozesse, oxidativen Stress, Fibrosierung und Leberschäden deutlich wirkungsvoller als EPA“, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Beitrag. Deshalb könnte DHA in Zukunft bei übergewichtigen Menschen als Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung und möglicherweise auch zur Behandlung der nichtalkoholischen Fettleber eingesetzt werden, schlagen die Forscher vor.

Quelle: C.M. Depner, K.A. Philbrick, D.B. Jump, Docosahexaenoic Acid Attenuates Hepatic Inflammation, Oxidative Stress, and Fibrosis without Decreasing Hepatosteatosis in a Ldlr-/- Mouse Model of Western Diet-Induced Nonalcoholic Steatohepatitis, The Journal of nutrition, (2013). doi:10.3945/jn.112.171322